Über uns
«Als Wanderleiter konstatiere ich nach einigen Tagen vollkommenes Glück, welches sich in aller Stille einstellt. Die zunehmende Distanz zu unserem Alltag wächst wie durch Zauberhand.»



Unterwegs auf dem Padjelantaleden, Schwedisch-Lappland
Foto: Stefanie May

Liebe Wanderinnen, liebe Wanderer


Unsere Gesellschaft bewertet die Handlung. Sich mitten im Tun zu befinden, ist durchaus anregend. Trotzdem tut es wohl, wenn wir das Bündel mit unseren Projekten und Ambitionen für einen Moment abstellen. Die Zeit sich in die Länge ziehen lassen und ein Loblied auf die Langsamkeit anstimmen. Einen Rucksack packen mit dem Allernotwendigsten, und uns ganz dem Gehen widmen. Denn: Die Bewegung ist es, die unserem Geist ermöglicht, sich zu beruhigen. Es ist übrigens erwiesen, dass der Hippocampus, die einzige Partie des Gehirns, die sich beim Erwachsenen regenerieren kann, durch das Gehen stimuliert wird.

Als Wanderleiter konstatiere ich nach einigen Tagen vollkommenes Glück, welches sich in aller Stille einstellt. Die zunehmende Distanz zu unserem Alltag wächst wie durch Zauberhand. Eine besondere Art des Loslassens wird möglich. Dieses Gefühl stellt sich in der Regel zu Beginn des dritten Tages ein.
Ein Rezept dafür? Man gönne sich die Zeit und den Raum, einen Fuss vor den anderen zu setzen. Zeit ist das seltene Gut der industrialisierten Länder, das uns Raum für das Wesentliche schaffen kann!

Was in uns wahre Leidenschaft zu erwecken vermag, wie mehrere Tage nacheinander wandern, ist unbezahlbar. Die Fragen haben ein Ende, der Ärger löst sich auf, das konstante Gefühl, der Arbeit hinterherzurennen oder ein Ziel erreichen zu müssen, verschwindet, da es keinen Sinn mehr macht. Frieden und simples Glück stellen sich ein. Wir leben auf und Freude durchflutet uns stets von neuem.

Mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung wandert. Das zeigt deutlich das Bedürfnis auf, sich auszulüften, in der Natur zu regenerieren, sich nach einem Tag hinter dem Bildschirm oder in sich ewig wiederholender Routine gefangen die Beine zu vertreten. Wandern ist eine einfache Aktivität, für jeden zugänglich. Es braucht nicht viel dazu. Ein Paar Schuhe, einen Rucksack mit einer Trinkflasche und einem Bissen Irgendwas – fertig.

Einmal unterwegs, heissen wir das Unvorhersehbare willkommen. Es gibt genügend Gelegenheiten. Denn auf jedem Umweg abseits des Wanderweges besteht die Möglichkeit, dem Glück – und damit dem Leben selbst – in die Arme zu laufen.

Ich wünsche allen zauberhafte Touren, allein oder mit Wanderleiter.

Noé Thiel und das ganze
Team von